Gyomson - Bescheidenheit / Demut

"Richtig ausgeführt, wird die Verbeugung zur wichtigsten einzelnen Bewegung in den Kampfkünsten."

Terrence Webster-Doyle


Gyomson ist durch seine Übersetzung als Demut zu einer irrtümlichen Auslegung prädestiniert. Im deutschsprachigen Raum haftet diesem Wort der unangenehme Beigeschmack der Unterwürfigkeit, was bei jener Art der Demut, die sich aus Rang und Stellung ableitet und als Zeichen der Unterordnung entgegengebracht wird, sicher zutreffend ist.

Ehrliche Demut bedeutet hingegen die Grenzen des eigenen Könnens und Wissens zu akzeptieren, um die eigenen Unzulänglichkeiten im klaren Bewußtsein zu überwinden, dass der Lernprozess nie abgeschlossen ist. Das heißt auch, den Lauf der Dinge zu erkennen und zu respektieren, um dazu in der Lage sein zu können, innerhalb der einem gegebenen Möglichkeiten zu handeln. Bescheidenheit gehört selbstverständlich auch hierzu.

Wellenreiter sind ein gutes Beispiel für die wahre Natur von Gyomson: indem sie die eigene physische Schwäche im Vergleich zu den Wellen akzeptieren, können sie sich durch aktives Handeln mit der Dynamik des Wassers verbinden, um sich anmutig, kraftvoll und frei zu bewegen.